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Antidepressiva

Was sind Antidepressiva eigentlich?

Antidepressiva sind Medikamente, die zur Behandlung von Depressionen und manchmal auch bei anderen gesundheitlichen Problemen eingesetzt werden. Es gibt verschiedene Arten davon. Ihr Arzt wird Ihnen das Medikament empfehlen, das unter den jeweiligen Umständen am besten geeignet ist. Es kann einige Wochen dauern, bis sich die Symptome bessern. Antidepressiva können Nebenwirkungen haben, aber bei vielen Menschen sind diese leicht und lassen mit der Zeit nach.

Wann werden Antidepressiva eingesetzt?

Antidepressiva werden hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, oft in Verbindung mit Gesprächstherapien. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen Antidepressiva verschreiben, wenn Sie an einer mittelschweren oder schweren Depression leiden, sich durch die Erkrankung sehr unwohl fühlen und die Symptome das tägliche Leben erschweren.

Bei einer leichten Depression sind Antidepressiva meistens nicht die beste Behandlung. Wenn Sie jedoch seit mindestens zwei Jahren daran leiden oder in der Vergangenheit bereits eine schwerere Depression hatten, können sie eine Option sein. Wenn Depressionen in der Vergangenheit häufiger aufgetreten sind, kann Ihr Arzt Ihnen die Einnahme von Antidepressiva vorschlagen, um zu verhindern, dass Sie erneut krank werden.

Antidepressiva können auch zur Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt werden, die die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Zu diesen Erkrankungen gehören verschiedene Ängste, einschließlich Langzeitängste, Panikstörungen, Phobien wie die Agoraphobie und die soziale Phobie sowie generalisierte Angststörungen. Weitere Anwendungsgebiete sind Zwangsstörungen, posttraumatische Belastungsstörung und die Bulimie, eine Essstörung.

Manchmal werden bestimmte Antidepressiva auch aus anderen Gründen eingesetzt, darunter chronische Schmerzen, Symptome der Menopause (insbesondere Hitzewallungen), Bettnässen bei Kindern, stressbedingte Harninkontinenz und zur Unterstützung der Raucherentwöhnung. Ihr Arzt wird mit Ihnen über Ihre Behandlungsmöglichkeiten sprechen, wenn Antidepressiva für Sie in Frage kommen.

Es gibt mehrere verschiedene Antidepressiva. Es dauert in der Regel einige Zeit, bis sie wirken, und sie müssen regelmäßig eingenommen werden, um zu sehen, ob sie bei Ihnen wirken. Wenn Sie besonders starke Nebenwirkungen bekommen oder das Medikament nicht wirkt, kann Ihr Arzt Ihnen ein anderes anbieten. Es gibt viele Möglichkeiten, also verlieren Sie nicht die Hoffnung.

Wie wirken Antidepressiva bei der Behandlung von Depressionen?

Die Wissenschaft weiß noch nicht genau, wie Antidepressiva eigentlich wirken. Was man weiß, ist, dass sie die Menge an bestimmten chemischen Stoffen, den so genannten Neurotransmittern, im Gehirn erhöhen. Neurotransmitter übermitteln Botschaften zwischen den Zellen im Gehirn und sind vermutlich an der Regulierung der Stimmung beteiligt. Verschiedene Antidepressiva erhöhen die Menge an Neurotransmittern auf unterschiedliche Weise. In der Regel dauert es zwischen 10 und 20 Tagen, bis Antidepressiva zu wirken beginnen und die Symptome der Depression verringern.

Welche Arten von Antidepressiva gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva. Meist werden sie folgendermaßen kategorisiert:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Citalopram, Fluoxetin und Sertralin; sie sind die am häufigsten bei Depressionen eingesetzten Antidepressiva
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) wie Duloxetin und Venlafaxin
  • trizyklische Antidepressiva (TCAs) wie Clomipramin und Imipramin
  • MAO-Hemmer wie Tranylcypromin und Phenelzin

Es gibt einige andere Arten von Antidepressiva, die nicht in diese Kategorien fallen. Dazu gehören Mirtazapin und Vortioxetin.

Die verschiedenen Arten von Antidepressiva wirken alle gleich gut bei der Behandlung von Depressionen. Wenn Ihr Arzt Ihnen die Einnahme eines Antidepressivums empfiehlt, wird er Ihnen wahrscheinlich zuerst ein SSRI verschreiben. Der Grund dafür ist, dass SSRIs im Allgemeinen sicherer sind und ihre Nebenwirkungen besser vertragen werden als andere Antidepressiva.

Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, welches Medikament für Sie am besten geeignet ist. Dies kann von Ihren Symptomen, von dem, was Ihnen bisher geholfen hat, von anderen Medikamenten, die Sie einnehmen, von anderen Erkrankungen, die Sie haben, und von Ihren eigenen Vorlieben abhängen.

Bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen die Risiken und Vorteile aller empfohlenen Arzneimittel zu erläutern, damit Sie sich zu Beginn der Behandlung gut informiert fühlen. Ihr Arzt kann Ihnen empfehlen, zwei Antidepressiva zu kombinieren oder zusätzlich zu Ihrem Antidepressivum andere Arzneimittel einzunehmen. Möglicherweise müssen Sie verschiedene Medikamente ausprobieren, bevor Sie das für Sie geeignete finden.

Einnahme von Antidepressiva

Wenn Ihr Arzt Ihnen ein Antidepressivum verschreibt, wird er Sie innerhalb von ein paar Wochen wiedersehen wollen, um zu sehen, ob es bei Ihnen wirkt. Danach müssen Sie wahrscheinlich drei Monate lang jeden Monat zur Nachuntersuchung gehen.

Manche Menschen stellen fest, dass sich ihre Symptome schon wenige Tage nach Beginn der Einnahme von Antidepressiva bessern, aber oft dauert es zwei bis vier Wochen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre Medikamente weiter einnehmen, auch wenn es Ihnen nicht sofort besser geht.

Wenn Sie ein Antidepressivum gefunden haben, das bei Ihnen wirkt, müssen Sie es wahrscheinlich mindestens sechs Monate lang weiter einnehmen, nachdem Ihre Symptome verschwunden sind. Dies wird dazu beitragen, dass Ihre Depression nicht wiederkehrt. Die Symptome können wieder auftreten, wenn Sie die Einnahme des Medikaments absetzen. Wenn Sie in der Vergangenheit bereits eine Depression hatten, die wieder aufgetreten ist, müssen Sie Ihre Antidepressiva möglicherweise länger einnehmen – vielleicht sogar zwei Jahre lang.

Von Antidepressiva wird man nicht süchtig. Anders als bei süchtig machenden Medikamenten brauchen Sie nicht immer größere Mengen, um die gleiche Wirkung zu erzielen, und Sie haben kein Verlangen nach ihnen. Sie können jedoch unangenehme Symptome bekommen, wenn Sie die Einnahme zu schnell beenden. Trotzdem kann man in der Regel keine Antidepressiva rezeptfrei kaufen. Die Gefahr wäre zu groß, mit einem falsch gewählten Präparat mehr Schaden als Nutzen zu erzielen.

Es ist sehr wichtig, dass Sie den Beipackzettel lesen, der Ihrem Medikament beiliegen. Wenn Sie Fragen zur Einnahme Ihres Arzneimittels haben, können Sie Ihren Apotheker oder Ihre Apothekerin fragen.

Autofahren und Antidepressiva

Einige Antidepressiva können schläfrig machen und die Fähigkeit, sicher Auto zu fahren, beeinträchtigen. Dies ist vor allem im ersten Monat nach Beginn der Behandlung ein Problem oder wenn die Dosis erhöht wird. Laut Straßenverkehrsordnung ist das Autofahren unter Medikamenten erlaubt, wenn diese erforderlich sind und vom Arzt verschrieben wurden. Der Arzt hat die Pflicht, die Fahrtauglichkeit des Patienten einzuschätzen und ihn darüber zu informieren.  Denken Sie aber daran, dass Sie in letzter Konsequenz immer selbst dafür verantwortlich sind, dass Sie sicher fahren können, wenn Sie sich ans Steuer setzen.

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?

Antidepressiva können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben. Informieren Sie daher Ihren Arzt über alle anderen Arzneimittel, die Sie einnehmen. Dies gilt auch für rezeptfreie oder ergänzende Arzneimittel. In der Packungsbeilage finden Sie Angaben zu allen wichtigen Wechselwirkungen. Lesen Sie diese sorgfältig durch, sobald Sie Ihr Arzneimittel erhalten, und wenn Sie Fragen oder Bedenken haben, können Sie Ihren Apotheker um Rat fragen.

Kann ich während der Einnahme von Antidepressiva Alkohol trinken?

Während der Einnahme von Antidepressiva sollten Sie am besten auf Alkohol verzichten. Ein Grund dafür ist , dass Alkohol selbst bei Depressionen die Stimmung verschlechtern kann. Außerdem können Alkohol und Antidepressiva zusammen sehr schläfrig machen und einige Antidepressiva können die Wirkung von Alkohol verstärken.

Wenn Sie einen MAO-Hemmer einnehmen, sollten Sie überhaupt keinen Alkohol trinken. Bei deren Einnahme gibt es noch einige andere Einschränkungen in Bezug auf die Ernährung – weitere Informationen finden Sie in der Packungsbeilage des Medikaments oder auf Nachfrage beim Apotheker.

Was sind die Nebenwirkungen?

Wie alle Arzneimittel können auch Antidepressiva Nebenwirkungen haben. Das sind die unerwünschten Wirkungen, die nach der Einnahme des Medikaments auftreten können. Nebenwirkungen treten am ehesten auf, wenn Sie mit der Behandlung mit einem Antidepressivum beginnen. Bei den meisten Menschen sind die Nebenwirkungen leicht und klingen nach ein paar Wochen ab. Es ist wichtig, dass Sie Ihr Medikament weiter einnehmen, wenn Sie können.

Manche dieser Medikamente haben weniger Nebenwirkungen als andere. So haben beispielsweise selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) weniger Nebenwirkungen als trizyklische Antidepressiva (TCA) und MAO-Hemmer.

Die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva sind SSRIs. Der Grund dafür ist, dass deren Nebenwirkungen am erträglichsten sind. Zu den Nebenwirkungen von SSRIs können ein Krankheitsgefühl, Übelkeit  und Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Schwindelgefühle, Angstgefühle, Aufregung, Schlafprobleme und ein geringer Sexualtrieb gehören.

Es wird vermutet, dass junge Menschen bei der Einnahme von SSRIs etwas häufiger Selbstmordgedanken haben können. Kinder und Jugendliche erhalten diese Medikamente nur nach sorgfältiger Beurteilung durch einen Psychiater und werden engmaschig überwacht.

Es ist normal, dass einige Nebenwirkungen auftreten. Wenn Sie sich jedoch Sorgen darüber machen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er kann vielleicht ein anderes Antidepressivum verschreiben, um zu sehen, ob es besser passt.

Nebenwirkungen beim Absetzen

Wenn Sie Antidepressiva länger als etwa sechs bis acht Wochen einnehmen und dann absetzen, kann es zu so genannten Absetzsymptomen kommen. Dazu gehören:

  • Übelkeit (Brechreiz)
  • Schlafprobleme, einschließlich lebhafter Träume und Schlaflosigkeit
  • Unruhe
  • veränderte Empfindungen wie z. B. stromschlagähnliche Empfindungen im Kopf
  • veränderte Gefühle wie Angstzustände, Reizbarkeit und Verwirrung

Diese Symptome treten nicht bei jedem auf, aber sie sind wahrscheinlicher, wenn Sie die Einnahme Ihrer Arzneimittel plötzlich unterbrechen oder die Einnahme auslassen. Wenn Sie also Ihre Antidepressiva absetzen möchten, sprechen Sie zuerst mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen helfen, Ihre Dosis langsam über mehrere Wochen zu reduzieren, um diese Nebenwirkungen zu vermeiden.

Mehr dazu: Antidepressiva: Welche Vor- und Nachteile haben sie? (aok.de)

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